Rechenschwäche/Dyskalkulie

 
In der Mathematik bauen Lerninhalte sachlogisch streng aufeinander auf. Es muss daher abgesichert sein, dass der Schüler die Argumentation auch für kleinste Schritte nachvollzogen hat. Gibt es Lücken während dieses Lernprozessses, kann auch der neue Lernstoff nicht verarbeitet werden.

Deshalb orientiert sich die Förderung Ihres Kindes zunächst nicht nur am aktuellen Stoff der Schule, sondern auch an seinem individuellen Stand. So können dem Kind von Anfang an Erfolgserlebnisse und Spaß am Lernen vermittelt werden, was meist nicht nur das Kind, sondern das gesamte familiäre und schulische System entlastet und Stärken des Kindes wieder ins Blickfeld rücken lässt. Das Kind kann wieder an sich selbst glauben, ein neues, stabiles Selbstwertgefühl entwickeln und damit auch den Anschluss an das Klassenziel erreichen.
Durch Lernen mit allen Sinnen wird das Kind an die mathematischen Strukturen herangeführt, gezielte Automatisierungsübungen ermöglichen dem Kind dann den schnellen Umgang mit wichtigen Rechenbereichen wie z.B. dem Ein-mal-Eins.
Eine regelmäßige Elternberatung ist hier besonders wichtig. Sie findet in Form von individuellen Elterngesprächen statt.

Die Anzeichen der Rechenschwäche
Schon im Kindergartenalter kann es Auffälligkeiten geben. Kinder, die eine Rechenschwäche entwickeln, spielen häufig nicht gerne mit Bauklötzen oder Lego, Spiele wie Memory oder Puzzles, die das räumlich-visuelle Vorstellungsvermögen beanspruchen, mögen sie nicht. Kinder mit einer Rechenschwäche verwechseln oft Begriffe wie rechts und links, oben und unten und scheinen sich manchmal nur unbeholfen im Raum zurecht zu finden. Vergleiche wie größer - kleiner, länger - kürzer fallen ihnen schwer, sie scheinen keine Vorstellungen von Größen- oder Mengenverhältnissen zu haben.
Diese Kinder rechnen noch mit den Fingern, wenn die Mitschüler das schon lange nicht mehr tun und sie halten einmal erklärte Rechenwege ein, ohne jedoch den Sinn dahinter zu verstehen. Sie verrechnen sich häufig um 1 und bemerken nicht, wenn das gefundene Ergebnis falsch ist. Die Uhrzeit wird bevorzugt von einer Digitaluhr abgelesen, die Dauer einer Tätigkeit kann nur schwer geschätzt werden. Textaufgaben scheinen für Kinder mit Rechenschwäche ein Buch mit sieben Siegeln zu sein. Sie sind nicht in der Lage, die Aufgaben zu entschlüsseln und vollständig zu bearbeiten.
Auf Grund mangelnder Erfolge und dem Gefühl, mit dem Problem nicht fertig werden zu können, werden die Kinder in der Regel alles vermeiden, was mit Rechnen oder Mathematik zu tun hat.
Gut gemeinte, aber für alle Beteiligten sehr anstrengende und aufreibende Übungen am Nachmittag erzeugen meist nur weitere Misserfolge und ziehen das Kind uns seine Eltern immer tiefer in einen Teufelskreis hinein.

Die Ursachen der Rechenschwäche
Eine Rechenschwäche wird nicht von einer einzigen Ursache bedingt. Vielmehr handelt es sich um ein Ursachengeflecht, das individuell sehr unterschiedlich sein kann. So können beim Kind wichtige Lernvoraussetzungen wie die taktil-kinästhetische (tasten, berühren, spüren, sich bewegen), die visuelle (sehen) oder die auditive (hören) Wahrnehmung beeinträchtigt sein. Die Gedächtnisspanne kann eingeschränkt sein, Probleme bei der Konzentration werden häufig beobachtet.
Sind diese Teilbereiche eingeschränkt, so wird von Teilleistungsschwächen gesprochen. Neben diesen Faktoren, die im Kind liegen, gibt es einige in der Schule, die sich begünstigend auf die Entstehung einer Dyskalkulie auswirken.
Häufiger Lehrerwechsel in den ersten Schuljahren, Wechsel der Rechenlernmethode, zu wenig konkretes Handeln im Mathematikunterricht oder die Größe und Struktur der Klasse können sich negativ auf die Rechenleistungen auswirken. Einkanaliges Lernen oder psychische Belastungen in der Familie können ebenfalls zur Entstehung einer Rechenschwäche beitragen.
Misserfolge im Rechnen werden durch diese individuellen Ursachengeflechte produziert und lassen beim Kind ein Gefühl des Versagens entstehen.

Diagnose der Rechenschwäche
Eine zielgerichtete und effektive Therapie ist nur möglich, wenn eine aussagekräftige Diagnose vorliegt. Neben der Überprüfung des Fertigkeiten im arithmetischen Bereich und im Umgang mit Textaufgaben ist die Feststellung der Lernausgangslage sowie die Erfassung der Stärken und Schwächen des Kindes in verschiedenen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsbereichen eine unabdingbare Voraussetzung für die Erstellung eines individuellen Förderplans.

Therapie
Rechenschwache Kinder benötigen individuelle Hilfe.
Ein normaler Schulunterricht wie auch klassischer Förder- oder Nachhilfeunterricht kann bei rechenschwachen Schülern nicht zum Erfolg führen, wenn standardisierte, auf eine Gruppe bezogene Verfahren zum Einsatz kommen und nicht an der individuellen Lernausgangslage angeknüpft wird.
Die an unserem Institut durchgeführte Lernintervention berücksichtigt die spezifische Lernausgangslage des Schülers, indem sie kein einheitliches Programm anwendet, sondern in Form einer integrativen Lerntherapie ein individuelles Bedarfsprogramm von Maßnahmen erstellt.
Je nach den individuell ausgeprägten Eigenarten und Störungen des Lernprozesses sowie der subjektiven Verarbeitung der Leistungsschwäche werden entsprechende Lehr- und Lernformen gewählt und aktuell variiert.
In der Mathematik bauen Lerninhalte sachlogisch streng aufeinander auf. Es muss daher abgesichert sein, dass der Schüler die Argumentation auch für kleinste Schritte nachvollzogen hat. Deshalb ist die zentrale Interventionsform der therapeutische Lerndialog mit dem Schüler. Diesen zu führen, ist die Aufgabe eines mathematisch und pädagogisch-psychologisch ausgebildeten Lerntherapeuten, der die Grundlagen der Mathematik individuell differenziert darlegen kann.
Eine in die Lerntherapie integrierte Verlaufsdiagnose sichert die Lernfortschritte, sodass durch angepasste Lernschritte systematisch die Defizite im Lernstoff aufgearbeitet werden können.
Damit stiftet die Therapie von Beginn an ein begründetes und wachsendes Vertrauen der Schüler in ihr neu erworbenes Wissen und ihre Fähigkeiten.

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